Eine kleine Tanzstunde

Fast jeder der über Argentinien oder die Argentinier spricht denkt dabei meist auch an Tango. Der Tanz repräsentiert Argentinien genauso wie Asado, der Papst und die Gauchos (Dazu an anderer Stelle mehr). Neben Tango, welcher eher für die ältere Bevölkerung interessant ist, existieren in Argentinien, generell in ganz Südamerika, ein Haufen Tanzstile und Arten; am beliebtesten dabei sind der Cumbia (am meisten in: Argentinien, Venezuela, Brasilien, Kolumbien) und der Reggaeton (überall, jedoch in Chile am populärsten). Aufgrund ihres „heißen südamerikanischen Bluts“ (so sagt man zumindest) lieben (fast) ALLE Südamerikaner es tu tanzen, es wäre also quasi ein Verbrechen an dieser Stelle nicht ins Detail zu gehen.

Zuerst zum Tango, dem ältesten und bekanntesten der argentinischen Tanzstile:
Der klassische Tango argentino entstand im 19. Jahrhundert in den Kneipen von Buenos Aires als einer Mischung aus zahlreichen Musikrichtungen und Tanzstilen der südeuropäischen und afrikanischen Einwanderern. Seitdem erfreut sich der recht enge und erotische Tanz großer Beliebtheit on ganz Argentinien. Insgesamt setzt sich der Tanz aus einer Handvoll Grundschritte und unzähliger Figuren zusammen. Gespielt wird dabei auf viel auf dem traditionellen Bandoneon, eine Art Akkordeon mit deutschem Ursprung (http://de.wikipedia.org/wiki/Bandoneon). Die aus dem Klischee bekannte Rose taucht übrigens nicht auf. Heutzutage verliert der Tango immer mehr an Bedeutung, verkommt zu einem Tanz für die älteren Generationen, auch wenn sich doch immer wieder auch jüngere dafür begeistern. Tango bleibt ansteckend.
Tango argentino:

Neben dem Tango übrigens auch einige der berühmtesten und schönsten Orte in Buenos Aires.

Im Gegensatz zu dem klassischen Tango (für die älteren), hört und tanzt man hier auch den rhythmischen, modernen Cumbia (alle jüngeren, aber auch erwachsene). Dabei gibt es einige Typen und Formen über die ich mir noch nicht ganz im Klaren bin, jedes Land besitzt seine eigene Cumbia-Kultur, jede Stadt seine eigene Sänger und Künstler. Cumbia wird meist in geschlossenen Kreisen gemeinschaftlich getanzt. Männer bewegen dabei recht lässig ihre arme und tanzen, sofern nicht mit einem Mädchen an der Stelle, während sich alle Mädchen sich sehr körperbetont zu der Musik winden (in Deutschland würde man das oftmals sicherlich mit einem: „die tanzt wie ´ne schlampe“ kommentieren).
Dazu:

Zwei Videos bekannter argentinischer Cumbia-Künstler mit klassischem Cumbia- Tanz. Außer Cumbia tanzt man dazu teilweise auch Zumba.

Cumbia tanzt man hauptsächlich in den sogenannten „Boliches“ (=komplett überfüllte Diskos) oder auf Haus- oder Geburtstagsfeiern. Die Musik gehört hier zum Feiern wie die Sterne zum Himmel. Aus dem gesamten Genre des Cumbias bildet sich dabei der Kleidungsstil vieler Argentinier heraus. Die Mädchen stecken dabei in allerhand kurzen, engen und mit Strass-steinen besetzten Kleidungsfetzen, während viele jungen dem Stil der sogenannten „Wachiturros“ folgen (entspricht zum teil dem europäischen Gangsta oder Hip-Hopper).

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Aus derselben Kultur des Cumbias stammt auch der Reggaeton, eine Art Paartanz, hauptsächlich berühmt in Chile (man tanzt dort kaum etwas anderes). Dabei geht es für den Mann hauptsächlich darum seine Partnerin möglichst Körpereng von hinten und von vorne anzutanzen, während diese sich (erotisch?) in seinem Griff bewegt. Speziell in Chile wird die Menge in den Boliches dabei vom hauseigenen Motivator mit Sätzen wie „Welches sind die Hemmungslosesten Mädels der Stadt?“, „Wer will eine Flasche Rum?“ oder „Wer steht hier noch auf Gras?“ angefeuert (selbstverständlich heben nach jeder Frage alle die Hände in den Himmel und fangen so laut an zu kreischen dass nicht mal das Auftreten Justin Biebers-Hier übrigens ein gefeiertes Idol- das noch toppen könnte). Ich bin komplett sprachlos. Bei meinem erster Besuch in einem chilenischen Boliches (natürlich für jüngere, die Polizei ist zumindest hier knüppelhart) und mein erster Kontakt mit Reggaeton (körpereng heißt hier wirklich Totalkontakt, gern wird aber auch mal zu dritt getanzt) habe ich ungelogen eine Stunde sprachlos in der Ecke verbracht.
Mein Beweis:

Das Video zeigt jetzt nur ein Tanzpaar. In echt wird man dann mit etwa 100 Paaren konfrontiert.
Ah, vielleicht ist noch zu erwähnen, dass Elektro & House hier auch ganz bekannt und berühmt ist. Wen du hier auf Musik ansprichst, der erzählt dir dass er einmal in seinem Leben nach Belgien zu Tomorrowland (eines der weltgrößten Musikfestivals für Elektro) reisen will. Trotz all dieser Begeisterung kommt man doch immer wieder auf Cumbia zurück.
Ich selbst habe alle Tänze bis jetzt mehr (Cumbia), weniger (Reggaeton) oder kaum (Tango) ausprobiert, bin aber noch für einige Zeit hier…

Ich melde mich wieder, wahrscheinlich zum letzten Mal aus Chile.
Bis Dann

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